Mit Strategie durch die Pandemie: Richard Köstner AG trotzt Corona

Trotz Corona verlief das vergangene Jahr für das mittelfränkische Familienunternehmen mit seinem Stahlhandel und seinen Fachhandelsniederlassungen für Handwerksbetriebe zufriedenstellend. Dies hat mehrere Gründe.


Das Jahr 2020 hätte für die Richard Köstner AG mit Hauptsitz in Neustadt an der Aisch zum Rekordjahr werden können. Die anhaltend gute Auftragslage in der Bauwirtschaft und bei den damit verbundenen Handwerksbetrieben bedeuteten auch für den Fachhändler beste Rahmenbedingungen - bis Corona die Lage abrupt veränderte.

Im ersten Lockdown regierte bei allen Marktteilnehmern große Unsicherheit. Zwangsläufig verzeichnete auch Köstner bis zur Jahresmitte Umsatzeinbußen von 10 % gegenüber dem Vorjahr. Dank intensiver Anstrengungen in allen Niederlassungen konnte man den Trend in der zweiten Jahreshälfte umkehren: Bis Ende 2020 lag der Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr lediglich bei zwei Prozent.

Gründe für die Steigerung im dritten und vierten Quartal gibt es einige. Erstens nutzten viele Hausbesitzer ihre erzwungene Zeit zu Hause und das frei gewordene Urlaubsbudget für sinnvolle Modernisierungen am Eigenheim. Passenderweise konnten viele von ihnen gleichzeitig die Förderprogramme zum Austausch alter Ölheizungen in Anspruch nehmen. Als Folge davon verzeichnete Köstner starke Umsätze im Sortiment Heiztechnik. Als weitere Dauerbrenner erwiesen sich Doppelstabmattenzäune und Schließanlagen. Unmittelbar durch Corona erzwungen erfreuten sich auch Desinfektionsspender für die Hotellerie und Gastronomie einer starken Nachfrage. Drittens profitierte der Köstner-Webshop ebenfalls von der Sondersituation.

Einen besonderen Anteil schreibt die Geschäftsleitung den engen Beziehungen zu den Stammkunden zu, wie Vorstand Dr. Norbert Teltschik betont: "Unsere Kunden schätzen besonders, dass wir auch unter diesen schwierigen Bedingungen für sie da waren und ihnen bei der Lösung ihrer Probleme geholfen haben. Wir haben tatsächlich gemerkt, dass viele unserer Stammkunden im Jahr 2020 mehr bei uns gekauft haben."

Der Köstner-Chef schildert weiterhin die gravierenden Folgen der Pandemie für die Arbeitsabläufe in seinem Unternehmen: "Während der Lockdown-Phasen mussten wir unsere Geschäftsräume für Endkunden schließen. Auch manche unserer gewerblichen Kunden waren dadurch beeinträchtigt, sodass Umsätze verloren gingen. Auf der Beschaffungsseite hatten wir teilweise mit Lieferengpässen zu kämpfen."

Darauf reagierte man mit der Umsetzung der angeordneten Schutz- und Hygienemaßnahmen, mit Homeoffice, Schichtregelungen, räumlicher Verteilung von Teams und auch mit Kurzarbeit. Einige Mitarbeiter wurden im Lauf des Jahres positiv getestet, andere mussten als Kontaktpersonen in Quarantäne. Geplante Veranstaltungen für Mitarbeiter und Kunden mussten absagt werden, Meetings und Besprechungen fanden oft als Videokonferenzen statt.

Dr. Teltschik freut sich darüber, dass die Mitarbeiter ihre Aufgaben trotz der Belastungen zuverlässig erfüllt haben: "Letztlich haben wir die Aufgaben gemeinsam als Team gemeistert - mit Engagement, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Solidarität und Pflichterfüllung. Dafür bin ich unseren Mitarbeitern sehr dankbar und es freut mich, dass unsere Arbeitsplätze sicher sind und wir betriebliche Sonderzahlungen und weitere Leistungen ohne Einschränkung an unsere Mitarbeiter auszahlen konnten."

Ausgezeichnet für besondere regionale Arbeitgeberattraktivität

Einen neuen Rekord vermeldet die Richard Köstner AG bei der Anzahl der neuen Auszubildenden:
21 neue Azubis wurden im Jahr 2020 eingestellt. Zum Jahresende zählte das Unternehmen insgesamt 541 Mitarbeiter, davon 39 in Ausbildung. Das entspricht einer Ausbildungsquote von sieben Prozent. Dazu passt die erfreuliche Meldung des Stellenportalbetreibers Joblokal Nordbayern GmbH (www.mittelfrankenjobs.de), der die Richard Köstner AG mit dem Siegel TOP-Arbeitgeber 2020 für besondere regionale Arbeitgeberattraktivität auszeichnete.

Positive Nachrichten gab es auch aus dem bayerischen Osten. So erreichte das im Jahr 2019 übernommene Unternehmen MB Stahltechnik GmbH in Selb nach einem hohen Verlust im Vorjahr 2020 die Gewinnzone. Außerdem übernahm die Köstner-Tochterfirma den Geschäftsbereich Stahl eines Händlers in Weiden in der Oberpfalz samt Lagerbestand, Kunden und einen Mitarbeiter im Außendienst.

Auch in puncto Digitalisierung machte die Köstner AG 2020 einen großen Schritt nach vorne. Die neue ERP-Software wurde Anfang des Jahres erfolgreich eingeführt. Abgeschlossen wird das umfangreiche Projekt planmäßig im Laufe dieses Jahres mit der Umstellung des Tochterunternehmens Prechtel in Forchheim auf das neue System.

Als weitere Ziele für 2021 formuliert die Geschäftsleitung das Erreichen von Umsatz und Ergebnis aus dem Jahr 2019. Zudem möchte man das gesamte Sortiment im stationären Handel auch im B2B-Webshop für gewerbliche Kunden anbieten. In der Hoffnung, dass bald wieder Normalität einkehrt, würde man gerne die zur Unternehmenstradition zählenden jährlichen Veranstaltungen für die Mitarbeiter wieder durchführen: die Jubilar-Ehrung, ein großes Grillfest, Abteilungsausflüge und Weihnachtsfeiern.

Ansonsten hat das Team um Dr. Teltschik aus dem ersten Corona-Jahr seine Lehren gezogen: Erstens: "Nichts ist selbstverständlich und alles kann sich ändern." Zweitens: "Videokonferenzen funktionieren, und viele Dienstfahrten kann man sich und der Umwelt zuliebe auch in Zukunft sparen. Auch Homeoffice funktioniert, wenn die notwendigen Voraussetzungen gegeben sind. Trotzdem und vielleicht auch gerade deshalb bleiben persönliche Kontakte aber wichtig."