Die Fähigkeit, nonverbale Signale der Menschen zu deuten, mit denen wir kommunizieren, verschafft uns wichtige Vorteile. Sie ermöglicht uns ein besseres Verständnis des Gesagten, die Überprüfung dessen Wahrheitsgehalts und das Lesen von Informationen "zwischen den Zeilen".

Von klein auf lernen Menschen, auf nonverbale Signale zu achten. Da sich die Fähigkeit, zu sprechen und Sprache zu verstehen, nicht sofort nach der Geburt ausbildet, sind Kleinkinder darauf angewiesen, mit Gestik, Mimik und Körpersprache zu kommunizieren. Zwangsläufig nehmen sie diese Signale auch von ihren Bezugspersonen wahr, ahmen diese nach oder spiegeln sie.

In der Kindheit lernen wir, nonverbale Merkmale und körperliche Auffälligkeiten mit Eigenschaften zu verknüpfen und damit Menschen Gruppen zuzuordnen. Auf diese Weise entstehen manchmal skurrile Vorurteile, etwa wenn Menschen mit markant abstehenden Ohren eine übertriebene Neugier zugeordnet wird.

Je mehr wir allerdings über nonverbale Wirkungsweisen wissen, desto mehr können wir Vorurteile ab- und eine Beziehungsebene aufbauen. Dies ist insbesondere im Berufsleben wichtig und sinnvoll, da wir uns dort meist unsere Gesprächspartner nicht aussuchen können.

In der bewussten Anwendung nonverbaler Kommunikation können wir die beabsichtigte Wirkung unserer Worte verstärken und unser Gegenüber beeindrucken, aber auch verwirren. Vergleichbar ist dies mit der Verwendung von Emojis in Chats als Veranschaulichung von Mimik und Gestik.

Die Grundzüge von Gestik, Mimik und Körpersprache lassen sich verhältnismäßig leicht erlernen. Neben unzähligen Büchern finden sich auch im Internet zahlreiche Seiten mit einfachen Erklärungen, Übungsbeispielen und Lernhilfen. Besonders geeignet für das (Selbst-)Verständnis ist die Übung vor dem Spiegel. Wie wirke ich auf Andere und auf mich selbst? Auf diese Weise erhält der Übende zwangsläufig wertvolle Erkenntnisse zu seinem eigenen Wesen.

Wer die hohe Schule der nonverbalen Kommunikation erlernen möchte, sollte dies unter Anleitung in der Gruppe tun. Es muss nicht gleich eine Schauspielschule sein. Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern, idealerweise bereits in der Ausbildung, Kurse und Trainings an. Vorsicht: Wer meint, mit Hilfe nonverbaler Kommunikationstechniken Verkaufserfolg am Kundenbedarf vorbei zu erzielen, wird diesen Erfolg vermutlich nicht lange genießen können. Schließlich sollte man damit rechnen, dass auch der Kunde das nonverbale Einmaleins beherrscht und spätestens am nächsten Tag werden die meisten Kunden ihre Kaufentscheidung nochmals kritisch hinterfragen.

Nonverbale Kommunikation umfasst wie oben bereits erwähnt Gestik, Mimik und Körpersprache. Voraussetzung für die Anwendung ist der direkte Augenkontakt. Fehlt dieser, reduziert sich der Gesprächspartner bewusst oder unbewusst auf die Rolle des Sprechers und Zuhörers. Obwohl hier die Wahrnehmung bzw. der Austausch von Gestik, Mimik und Körpersprache fehlen, wie dies etwa bei Blinden und Sehbehinderten der Fall ist, besitzen die meisten Menschen die Fähigkeit, im Gehörten neben dem gesprochenen Wort noch weitere Informationen wahrzunehmen: durch die Betonung, die Stimmlage, die Sprechgeschwindigkeit oder die Sprechpausen, aber auch durch nonverbale Schwingungen.

Wie wichtig der Anteil insbesondere der Körpersprache ist, verdeutlicht das Beispiel der berühmten 55-38-7-Regel von Albert Mehrabian. Der iranisch-amerikanische Psychologe und Professor emeritus an der University of California in Los Angeles hat seine Regel 1971 nach der Auswertung zweier Studien veröffentlicht. Darin wurden Probanden positive, neutrale und negative Wörter jeweils mit positivem, neutralem und negativem Ausdruck gesprochen vorgespielt und das neutrale Wort "maybe" in drei Ausdrucksformen und mit Fotos unterschiedlicher Mimik kombiniert. Das Ergebnis - 55 % der Wirkung wurde durch Körpersprache, 38 % durch die Stimmlage und nur 7 % durch den Inhalt erzielt - ist nach wie vor populär, besonders bei professionellen Verkaufstrainern.

Dass es auch außerhalb des Berufslebens wichtig ist, sich mit nonverbaler Kommunikation und ihrer Wirkung auszukennen, schätzen junge Menschen spätestens beim Knüpfen privater Beziehungen. Damit können sie die Zeichen des/der Angebeteten meist problemlos richtig deuten und andererseits selbst unmissverständliche Signale aussenden. Gar wichtig für eine Beziehung ist das Leben auf gleicher Augenhöhe.

Übrigens wirkt Körpersprache genauso bei Tieren. Egal ob Sie sich mit Hunden, Katzen oder Pferden umgeben wollen, die Tiere achten noch weniger oder gar nicht auf das, was Sie sagen, dafür umso mehr auf das Wie.