Im Durchschnitt sinken die Jahre der Betriebszugehörigkeit. Die Treue zu ihrem Arbeitgeber wird bei vielen Arbeitnehmern nicht mehr ganz groß geschrieben. Mehr Transparenz auf dem Arbeitsmarkt spielt dabei sicherlich eine Rolle. Ebenso erhoffen sich die Beteiligten durch einen Wechsel bessere Konditionen. Die meisten Arbeitgeber streben nach langandauernden Beschäftigungsverhältnissen. Daraus leiten sich viele Vorteile ab, allerdings können auch negative Begleiterscheinungen entstehen.

Die Definition der Betriebszugehörigkeit beinhaltet grundsätzlich die Dauer des Vertragsverhältnisses. Die Bedeutung dieses Zeitraums ist nicht zu unterschätzen. Beispielsweise leiten sich die Kündigungsfristen der Arbeitgeber davon ab. Je länger die Zusammenarbeit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer war, desto größer die Planungssicherheit für beide Parteien vor der Trennung. Mindestens beträgt die Frist einen Monat bei bis zu zwei Jahren Zusammenarbeit und steigert sich bis zu sieben Monate ab zwanzig Jahren Betriebszugehörigkeit.

Auch eine mögliche Abfindung hängt maßgebend von der Dauer des arbeitsrechtlichen Vertragsverhältnisses ab. Die Summe liegt zwischen 0,25 und 0,50 Bruttomonatsgehältern pro Beschäftigungsjahr. Im Fall der Fälle müssen Unternehmen bei langjährigem Personal also tiefer in die Tasche greifen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend legte Erkenntnisse aus einer Studie mit dem Namen „Erfahrung rechnet sich“ offen. Daraus leitet sich der Mehrwert für Unternehmen ab, indem sie auf ältere Arbeitnehmer bauen. Fast in jedem Wirtschaftszweig ändern sich Prozesse aufgrund neuer Technik. Für Systemumstellungen werden Mitarbeitern in älteren Semestern eine enorme Wichtigkeit zugeschrieben. Diese beherrschen durch ihren Erfahrungsschatz oftmals die Fähigkeit des „Querdenkens“, welches für Prozessänderungen elementar ist.

Die Vermeidung von Fehlern und Risiken schreibt die Studie ebenfalls deutlich den Arbeitnehmern mit mehr Erfahrung zu. Sie verfügen in der Regel über eine höhere Kernkompetenz und diese führe automatisch zu mehr Ruhe und Gelassenheit. Wichtige Attribute, um vor allem in turbulenten Phasen Qualitätsstandards aufrechtzuerhalten.

Das Gegenteil von Prozessoptimierung ist die sogenannte Betriebsblindheit. Hierbei gewinnt die psychologische Erkenntnis „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“ die Oberhand. Arbeiten werden nicht mehr nach Sinn und Nutzen hinterfragt, sondern rein mechanisch „abgearbeitet“. Aus Sicht der Unternehmen kann diese Konstellation schnell zu unrentablen Arbeitsweisen und im weiteren Verlauf zur Wettbewerbsunfähigkeit führen. Deshalb ist es wichtig, das Potenzial von langjährigen Arbeitnehmern zu heben und es nicht durch Trägheit versickern zu lassen. Eine Studie der Texas A & M University und der Michigan State University belegt deutlich, dass ständiges Hinterfragen der Arbeitsabläufe existentiell ist. Mindestens 50 Prozent aller Aktionen werden nicht aktiv, sondern auf Basis von Gewohnheiten ausgeführt. Übertragen auf die Arbeitswelt bedeutet dies, dass der Anschluss an veränderte Rahmenbedingungen proaktiv angegangen werden muss.