Typisch für Köstner ist ja unter anderem die natürliche Alterspyramide. Jede Dekade ist etwa gleich stark vertreten. Worin sehen Sie die Vorteile einer solchen Altersstruktur – für die Firma und für die Mitarbeiter?

Gero Gembruch: Aus Sicht der Firma: Jede Altersgruppe kann ihre Stärken gut in die Waagschale werfen. Hier ist der Mix so wertvoll. Der Vorteil für die Mitarbeiter: Sie können  voneinander lernen – beruflich und sozial. Mal angenommen: Wenn Mitarbeiter in höherem Alter mehr Berufserfahrung haben, profitieren davon die jüngeren. Und die jüngeren lernen vielleicht Dinge in der Ausbildung, welche die Älteren nicht kennen.


Das Thema " Soft Skills" ist in aller Munde und ein zeitloses Thema! Wie fördert Richard Köstner diese bereits heute?
Zum einem mit der Power-Azubi-Schmiede. Dann veranstalten wir regelmäßig Teamevents. Damit meine ich Weihnachtsfeiern, Ausflüge u. v. m. Uns ist es wichtig, dass sich die Mitarbeiter auch mal austauschen können. Wenn man sich auf der emotionalen Ebene versteht, dann fällt einem die Arbeit im Alltag oft leichter. Das gilt vor allem bei Konflikten im Unternehmen. Manche lassen sich dann leichter lösen.
Dann führen wir jedes Jahr Mitarbeiter-Gespräche, in denen wir die Ziele und die Entwicklungspotentiale gemeinsam erarbeiten und den Angestellten aufzeigen. Das Motto lautet dann oft: Wie geht es weiter? Wo gibt es Probleme? Wo gibt es Sorgen?


Ein "Blick in die Glaskugel": Auf was kommt es im Jahr 2025 an? Was, glauben Sie, sollten Arbeitgeber dann "vorweisen" können, um attraktiv für Mitarbeiter zu sein?
Ich spreche in diesem Zusammenhang gerne von einem Mehrwert, den ein Arbeitgeber bieten sollte. Damit meine ich nicht nur das Gehalt. Der Mehrwert kann aus Sicht des Mitarbeiters sehr unterschiedlich sein. Worin ich mir sicher bin: Jeder Mitarbeiter sollte sich wohl fühlen und schnell im Team integriert werden.

Wenn man sich zu seinem internen Kunden genauso verhalten würde wie zu seinem externen Kunden, würde es manche Probleme gar nicht geben!

Was könnte noch wichtig sein?
Da komme ich wieder auf die mentale Stärke zurück. Zudem dürfen wir das Thema „Kundenorientierung“ nicht aus den Augen verlieren. Hier lege ich viel Wert auf den Begriff des internen und externen Kunden. Diese Unterscheidung mache ich ganz bewusst. Oft wird nur auf die externen Kunden geschaut. Nehmen wir das Beispiel der Vertriebs-Abteilung. Hier haben wir sehr viele Klienten. Aber der Mitarbeiter im Verkauf hat auch interne Kunden, zum Beispiel den Kollegen oder Mitarbeiter in anderen Abteilungen.


...der zum Beispiel auf eine Information des Verkaufsberaters wartet und erst danach weiter arbeiten kann...
...genau! Wenn man sich zu seinem internen Kunden genauso verhalten würde wie zu seinem externen Kunden, würde es manche Probleme und Herausforderungen im Alltag gar nicht geben. Hier ist ein Perspektivenwechsel erforderlich: Jeder Kollege ist manchmal ein Kunde, der auf meinen Rat oder Information angewiesen ist. Hier ist es sehr nützlich, wenn man einen Schritt zurückgeht und versucht zu verstehen, warum der Kollege gerade so handelt. Manchmal ist es ganz gut, wenn man das „alte Schubladendenken“ beendet und nicht immer nach derselben Methode handelt.


Ein sehr interessanter Aspekt, den Sie hier aufgreifen: Das Bewusstsein, dass mein Kollege ein „interner Kunde“ ist...
Ich bin ja Wirtschaftsmediator. Eine solche Denke ist wichtig! Man sollte sich immer wieder mal selbstkritisch hinterfragen: Warum habe ich so gehandelt? Geht das nicht auch anders? Und warum hat der andere so agiert? Wenn man sich selbst immer wieder mal hinterfragt, ist die Lösung eines Problems oft nicht weit. Das ist nicht immer leicht, aber wenn es leicht wäre, würde es ja jeder machen (lacht).


Köstner betreibt eine Power-Azubi-Schmiede! Was ist die "Kern-Funktion" dieser Einrichtung?
Seit 2016 erhalten alle Auszubildenden im ersten Lehrjahr diese zentrale Schulung. Sie besteht aus 6 Modulen. Sie ist eine hervorragende Ergänzung zu innerbetrieblichen Fachthemen, Produktschulungen etc. Die Ziele dieser Power-Azubi-Schmiede lauten: Wir wollen die Teamfähigkeit entwickeln, Verständnis für Kollegen und andere Aufgaben. Das bedeutet: Man versetzt sich in die Lage des Anderen.
Daneben geht es uns darum, das Selbstvertrauen der Azubis zu stärken und Vertrauen beim Anderen aufzubauen. Das betrifft nicht nur die anderen Schüler, sondern die Vorgesetzten und Kollegen im Betrieb, die Kunden und Lieferanten. Hinzu kommt, die eigenen Stärken zu erkennen und diese im Job einzusetzen. Wie gehe ich mit Stress um? Wie gehe ich mit Kritik konstruktiv um? Und wie löse ich erfolgreich Konflikte? Zusammenfassend steht dahinter das Ziel, die eigene soziale Kompetenz zu erweitern.


Das ist eine ganze Menge, was Sie hier umsetzen wollen! Der Vorteil dieser Power-Azubi-Schmiede für Köstner als Arbeitgeber ist...
...für Köstner stehen motivierte und zufriedene Azubis im Vordergrund. Natürlich wollen wir unser Image als attraktiver Arbeitgeber noch weiter verbessern! Übrigens: Wir haben unsere Ausbildungsbeauftragten und Azubis mit dem gleichen Programm geschult.


Worin besteht der große Benefit für den Jugendlichen?
Sie erhalten im Rahmen der Power-Azubi-Schmiede ein Coaching, das man als Auszubildender nicht überall in diesem Alter erhält und können sich weiterentwickeln – im Rahmen ihres Berufs. All dieses Know-how wirkt sich natürlich auch im privaten Umfeld aus!


Zum Abschluss noch ein paar persönliche Fragen, die Sie gerne kurz beantworten können!

Als Kind wollte ich früher einmal werden...
...Polizist! Ich fand den Job schon als Jugendlicher interessant und erinnere mich noch heute, dass die Polizei bei Jobmessen oft den größten Zulauf hatte.

Damit macht man Ihnen eine besondere Freude...
Die Möglichkeit, Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern zu verbringen.

Damit machen Sie ihren Freunden eine besondere Freude...
Das ist meine Hilfsbereitschaft!

Ihre Lieblingsspeise?
...eine deftige Brotzeit und ein gutes Bier!

Ihr Lebensmotto?
Das Leben beginnt außerhalb der Komfortzone!


Ihr Lieblingshobby?
Sport, insbesondere Gelände- und Hindernisläufe