Fast alle Arbeitnehmer üben deshalb einen Job aus, um ihren Lebensunterhalt damit zu bestreiten. Ohne Moos nix los. Dieser Aspekt steht außer Frage, allerdings belegen Studien seit langer Zeit, dass die Gehaltshöhe nicht die oberste Priorität genießt. Die Rahmenbedingungen eines Jobs sind vielfältig und dabei spielt das Betriebsklima eine tragende Rolle.

Der Gesundheitsreport der Betriebskrankenkasse 2019 (BKK) brachte alarmierende Zahlen zu Tage. Der Anteil an psychischen Erkrankungen nahm in den vergangenen zwei Jahrzehnten in der Arbeitswelt massiv zu. Vor der Jahrtausendwende waren derartige Diagnosen weitgehend ohne Bedeutung. Mittlerweile sind sie der zweithäufigste Auslöser für Krankschreibungen. Umsichtige Arbeitgeber sagen dem Risiko psychischer Erkrankungen ihrer Belegschaft aus zweierlei Gründen den Kampf an. Erstens kommen sie ihrer Fürsorgepflicht für die Angestellten nach, zweitens vermindern sie damit zwangsläufig die Ausfallquote und das wirkt sich äußerst rentabel aus.

Ein gutes Betriebsklima besitzt geradezu eine prophylaktische Wirkung auf psychische Erkrankungen. Welche Voraussetzungen kann ein Arbeitgeber also in diesem Bereich schaffen? Jede Menge! In der Regel verbringen deutsche Angestellte mehr Zeit mit ihren Kollegen als mit ihrer Familie. Kein Wunder, dass der Frieden im Arbeitsumfeld ein existentielles Thema darstellt. Das Statistikportal Statista und das Marktforschungsinstitut YouGov gingen den größten „Beziehungs-Killern“ im Büro auf die Spur. 70 Prozent der Befragten geben an, dass eine unsaubere Toilette das Betriebsklima „stinkig“ macht. Das ist der negative Spitzenplatz. 59 Prozent können über notorisch schlecht gelaunte Kollegen nicht hinwegsehen. Dicht gefolgt von Unpünktlichkeit und klimatische Differenzen wie Temperatur oder Luftzufuhr. Für 44 Prozent sind laute Unterhaltungen extrem störend und somit kein Kavaliersdelikt mehr. Theoretisch sollten alle diese Punkte zur „guten Kinderstube“ zählen. Überschreitet ein Arbeitnehmer allerdings diese Grenzen, so ist die Führungskraft gefragt. Mit dem richtigen Verhalten sichert sie den Teamgeist und damit ein gutes Betriebsklima.

Laut der Studie spielt gegenseitiger Respekt die Hauptrolle für eine gute Atmosphäre im Arbeitsumfeld. Der Top-Makel ist unter den Befragten, falls sich ein Kollege mit Alltagsaufgaben nicht in den Dienst der Gruppe stellt. Dieses Verhalten ist Gift für den Teamgeist. Unverhältnismäßig viel Parfüm sowie schlechte Sprüche seien einem guten Betriebsklima ebenfalls nicht förderlich.

Die Hans-Böckler-Stiftung hat im Jahr 2018 Ergebnisse zur Studie „Betriebsklima und gute Arbeit“ vorgestellt. Wesentliche Inhalte beziehen sich auf „Routinen und Gewohnheiten“ der Arbeitnehmer. Schlechtes Betriebsklima entsteht demnach durch Unbehagen eines Arbeitnehmers, diese eingefahrenen Abläufe mitmachen zu müssen. Die Stiftung verweist in ihren Erkenntnissen allerdings auf weitere wichtige Aspekte, die einem guten Arbeitsklima dienlich sind. Erstens sollte Führung als „helfende Hand“ und nicht als permanentes Überwachungsorgan empfunden werden. Zweitens seien zwischenmenschliche Beziehungen auch außerhalb der Arbeitsabläufe wichtig. Drittens sollte Kommunikation als Dialog und nicht nur als Monolog geführt werden. Viertens sollten Kompetenzen klar geregelt und abgegrenzt sein. Fünftens sollten Absprachen über Arbeitsabläufe zwischen Vorgesetzten und untergeordneten Mitarbeitern weitgehend auf Augenhöhe stattfinden. Neben diesen Beispielen gibt es noch einen weiteren Katalog an Eckpunkten. Ein verantwortungsvoller Betrieb sollte sich hinsichtlich dieser Eckpfeiler regelmäßig hinterfragen.