Ausbildung aus der Arbeitgeber-Perspektive ist nichts anderes als eine Investition. Jeder Geschäftsmann investiert nur dann, wenn er sich davon einen Mehrwert in der Zukunft verspricht. Ausbildung ist ein Geben und Nehmen. Die angehenden Arbeitnehmer „geben“ ihre Arbeitskraft, mit der die Firma idealerweise langfristig planen kann. Die Lern- oder Ausbildungsphase bildet das Fundament für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen beiden Interessengruppen. Wo liegt das Hauptaugenmerk der Betriebe in der Ausbildungsphase?
 
Am langen Ende klingt es einfach: Der Arbeitnehmer stellt seine Arbeitskraft zur Verfügung, der Arbeitgeber bezahlt ihn dafür. Die detaillierten Anforderungen an die Arbeitsleistung sind natürlich von Gewerbe zu Gewerbe und von Firma zu Firma unterschiedlich. Einige Sammelbegriffe vermitteln allerdings so gut wie alle Dienstherren bereits in der Ausbildung. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten in den Mittelpunkt.
 
Allgemeinwissen ist sicherlich ein dehnbarer Begriff. Die Wichtigkeit mag von Beruf zu Beruf unterschiedlich sein, allerdings spielt es bei der Selektion nach Auszubildenden bei den meisten Betrieben eine große Rolle.
 
Ein spezifisches Wissen orientiert sich an der künftigen Tätigkeit. Selbstverständlich wagen Arbeitgeber in diesem Punkt einen Blick auf die Zeugnisnoten. Es ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, aber ein Bewerber zum Finanzbuchhalter mit einer Fünf in Mathematik könnte womöglich durch das Raster fallen.
 
Gute körperliche Fähigkeiten setzt der Ausbilder voraus, wenn es sich um Anwärter für Berufe wie Friseure oder Gärtner handelt. Hier wäre keinem geholfen, wenn nicht bereits vor der Zusammenarbeit die Belastungserwartung klar kommuniziert wird.
 
Last but not least steht eine Erwartung auf dem Zettel der Ausbildungsbetriebe, die so gut wie von jedem Bewerber vorausgesetzt wird: Soziale Kompetenz. Wenn sich ein Sportler in einer Mannschaft nicht einfügen will oder kann, dann bleibt ihm die Möglichkeit, eine Einzelsportart wie Tennis oder Gewichtheben zu verfolgen. Hier ist er selber seines Glückes Schmied. In nahezu allen Berufsgruppen stellt sich die Ausgangslage anders dar. Umgangsformen und Kritikfähigkeit sind in der Arbeitswelt nur zwei Schlagwörter. Ohne soziale Fähigkeiten bleibt ein Arbeitnehmer auf kurz oder lang auf der Strecke. Umso mehr Gewicht messen die Ausbilder diesen Charakterzügen bei der Bewerbung und in der Lehrzeit zu.
 
326 anerkannte Ausbildungsberufe in Deutschland gibt es im Jahr 2018. Die Entwicklung präsentiert sich konstant rückläufig, so war es in den 70er Jahren noch beinahe die doppelte Anzahl. Trotzdem sollte für den potenziellen Bewerberkreis mit all seinen unterschiedlichen Fähigkeiten etwas dabei sein. Laut einer IHK-Konjunktur-Umfrage schätzen 43 Prozent der Betriebe den Fachkräftemangel als potenzielles Geschäftsrisiko ein. Diesem Szenario wollen viele Ausbildungsbetriebe die Stirn zeigen. Der Förderbedarf der jungen Menschen ist wichtiger denn je. „Fordern und fördern“ lautet hier die nicht eingleisige Devise. Selbstverständlich wollen Betriebe Resultate für ihre Investitionen sehen. Ein notwendiges Rüst- und Handwerkzeug stellen sie den Berufseinsteigern allerdings zur Verfügung.